Überliefertes Liedgut aus verschiedenen Jahrhunderten

Warum immer diese alten Lieder? Werden wir öfter gefragt … Ja, warum eigentlich?

Weil sie so schön klingen, oft so wunderbare 3/4Takte haben? Weil die Texte uns berühren? Schließlich drehen sich die Gedanken der Menschen doch immer schon um die gleichen Dinge:

  • darum, “ein Leben in Freiheit führen zu wollen”,
  • darum, “den oder die Liebste zu besingen”
  • oder einfach darum, “seine Freude und sein Leid den anderen Menschen mitzuteilen”.

Oder weil es uns gefällt, dass viele der Lieder schon von 20 oder mehr Generationen, also seit 4 oder mehr Jahrhunderten gesungen wurden? Weil unsere Kinder diese Lieder so sehr lieben? Weil sie unser Herz berühren? Weil es uns nie langweilig wird sie immer und immer wieder zu singen? (das kann ich von “Let it be” oder “Strumming my pain with his fingers” nicht behaupten…)

Oder weil wir es lieben, wenn ältere Menschen auf Anhieb alle Strophen der Lieder auswendig können und sich selig an Kindheitstage erinnern? Weil die Texte oft vorder- oder hintergründig politisch sind und angenehm widerspenstig gegen die Machthabenden? Weil wir uns wie Kinder darüber freuen, wenn Innsbruck ich muss Dich lassen plötzlich im “Reggae-Gewand” erscheint?

Oder weil in jedem der Lieder eine eigene Geschichte und eine eigene kleine Welt steckt? Weil wir es mögen, wenn man diese Geschichten richtig gut verstehen kann (darum gerne auf deutsch)? Weil es uns gut tut in dieser Welt, in der so vieles schnell passieren muss und unter Veränderungsdruck steht, uns auf alt hergebrachtes Wissen zu besinnen (und mit diesem im Herzen im Jetzt und morgen zu leben)?

Oder einfach: weil wir sie gerne singen!

Im Text weiter unten haben wir ein paar Gedanken zu den Liedern notiert. Wo kommt das Lied her? Wie kam es zu uns? Was bedeutet das Lied für uns? Diese und weitere Beweggründe schrieben wir nieder. Sie sollen aufzeigen, warum uns gerade dieses oder jenes Lied ans Herz gewachsen ist.

La Lechuga:

Dieses Lied brachte Britta aus Bolivien mit. Wir lieben die Schlichtheit mit der die Freude zum Ausdruck kommt. Wir spielen es oft zu Hause. Spätestens wenn die Sonne scheint ist es wieder soweit.

Im Bruch:

Daniel hat viele Gedichte von Erich Mühsam vertont, nur sind die meisten schwer zugänglich und sehr schwermütig. Da wir aber trotzdem ein Stück von Erich Mühsam dabei haben wollten, komponierte er schnell ein neues.

Was geh euch meine Lumpen an:

Ein Lied aus einem Pfadfinderbuch. Es klingt älter als es ist. Ein Lied voll Selbstvertrauen und Kraft und ein wenig provokant. Gerade wenn es mal wieder hakt im gesellschaftlichen Umfeld ist es ein gutes Ventil.

König von Thule:

Gretchens erstes Lied nachdem sie von Faust umgarnt wurde. Sehr mystisch und voll von Tugenden. Ein Grund, warum wir gerne die alten Lieder spielen sind die Tugenden und die meist befreite oder zu befreiende Liebe.

Innsbruck ich muss Dich lassen:

Wunderbare Schwelgereien aus dem 15. Jahrhundert. Wir hatten das Bedürfnis das Lied mit einem langsamen Reggae zu verschmelzen. Das kann man pathetisch finden‚ Äh ist es wohl auch. Allerdings gewinnt so der Text an Leichtigkeit.

Es soll sich der Mensch nicht mit der Liebe abgeben:

Tja, was soll man da sagen? Ein eifersüchtiger Knecht, der sich mächtig aufspielt. Auf Konzerten immer sehr unterhaltsam. Uns gefällt der leichte Ton und die Satire. Daniel kann da mal richtig flapsig singen.

Klein Wild Vögelein:

Eines der Lieblingslieder unserer Kinder. Ein unbestechliches, kleines Vögelein ohne Angst vor Unterdrückung. Ein Lied, das nichts von seiner Aktualität verloren hat. Sehr schön.

Rosmarienbaum:

Ein mystisches Lied vom Verlust eines Liebsten zu Kriegzeiten. Sehr poetisch mit wunderbarer Melodie. Der Rhythmus, den wir dem Lied gaben ist schon fast frech aber unheimlich groovy.

Dat Du min leevsten büst:

Mit diesem Lied ist Daniel aufgewachsen. Ein typisch norddeutsches Volkslied. Der Text handelt allerdings von der Experimentierfreudigkeit einer jungen Bauerstochter. Früher üblich: die Tochter im heiratsfähigen Alter wurde aus dem Haupthaus ausquartiert um sich auszuprobieren. Ob das die norddeutschen Volksliedhörer wissen?

Unser Handwerk ist verdorben:

Schönes Trinklied mit sarkastischem Hintergrund. Zur Zeit der Entstehung wurde das gute Handwerk gerade von der Industrie verdrängt. Da kann man mal hören, wie diese Entwicklung den Handwerkern gefallen hat.

Freifrau von Drostefischering (live):

Eine treffliche Persiflage auf die römische Kirche und ihrem heiligen Rock. Wenn man den Rock lüftet kommt wohl eher Vetternwirtschaft denn Frömmigkeit zum Vorschein. Nach unserer Meinung ein wichtiges Zeitzeugnis und zudem sehr lustig.

Es tät ein Bauer früh aufstehn(live):

Wenn der Pfaff die Beichte von der Bauersfrau abnimmt, kann es schon mal zu Komplikationen kommen. Vor allem, wenn der Bauer unerwartet nach Hause kommt. Wir haben uns für die Live-Version entschieden, da es doch sehr viel frischer klingt, wenn das Publikum mitlacht.

Papst & Sultan (live):

Wunderschönes Trinklied mit Witz und Tücke. Auch hier war eine Studioversion unmöglich zu realisieren. Die meisten unserer Lieder sind noch so lebendig, dass sie am Besten live funktionieren.

Dat Du min leevsten büst (live):

Das muss man sich schon selbst anhören. So klingt das Lied in der nordischen Heimat. Ein herzerwärmendes Erlebnis.